EN // FR // DE
nicht eingeloggt
Einloggen / Registrieren
Willkommen bei den Foren des Web-Dokumentarfilms Prison Valley. Hier wird über Gefängnisse diskutiert, Wissen ausgetauscht und mit Internetbenutzern weltweit debattiert – selbstverständlich in gegenseitiger Achtung und höflichem Ton. Zum Prison Valley-Web-Film geht’s hier.

Supermax: Wie weit darf der Freiheitsentzug gehen?

  • 23 Kommentare
  • Bitte zuerst lesen!

Hintergrundinformationen zur Diskussion

  1.  
  1.  

    Am Rande der Prärie Colorados am Fuße der Rocky Mountains: eines der sichersten Gefängnisse der Welt: Supermax, Verwaltungsbezirk Fremont, Colorado. Am Rande der Prärie Colorados am Fuße der Rocky Mountains: eines der sichersten Gefängnisse der Welt: Supermax, Verwaltungsbezirk Fremont, Colorado.

    Das Supermax-Gefängnis beruht auf dem Prinzip der sensorischen Deprivation Das Supermax-Gefängnis beruht auf dem Prinzip der sensorischen Deprivation sagt Allen Rexford, Vollzugsbeamter im Supermax und erster stellvertretender Vorsitzende der Sektion Haftanstalt der Gewerkschaft AFGE (American Federation of Government Employees).

    Fotos © Philippe Brault

    Negativer Bescheid der Washingtoner Bundesbehörde für Gefängnisse Negativer Bescheid der Washingtoner Bundesbehörde für Gefängnisse auf unsere Anfrage, dem Prison Valley-Team Zugang zum Supermax zu gewähren. Nur ein einziges Mal, am 11. September 2007, wurde eine handverlesene Auswahl an Medienvertretern dort geduldet.

    Im Supermax, dessen Konzept auf der Sensorischen Deprivation beruht, sind die Haft- und die Isolierungsbedingungen besonders hart. Welches Ausmaß darf der Freiheitsentzug annehmen?

    Die offizielle Bezeichnung des Supermax lautet United States Penitentiary Administrative Maximum Facility, Florence, woraus sich seine Abkürzung herleitet: ADX Florence. Sein Spitzname lautet das Alcatraz der Rockies. Das Supermax ist ein Hochsicherheitsgefängnis, das der US-Regierung untersteht. Es liegt südlich der Stadt Florence, im Verwaltungsbezirk Fremont (Colorado). Als Flagschiff der vier Anstalten, die dort in einem weitflächigen Komplex zusammengefasst sind (dem FCC - Florence Federal Correctional Complex), liegt das Supermax am weitesten von der Straße entfernt. Mehr als 20% seiner ca. 400 Insassen stehen unter der Anklage, in einem anderen Gefängnis einen Mithäftling getötet zu haben.

    Das Supermax wurde 1994 eröffnet (Baukosten: 60 Millionen Dollar) und ist für die Unterbringung der Häftlinge ausgelegt, die als die gefährlichsten Amerikas gelten. Die Liste seiner Insassen enthält die Namen der wichtigsten wegen terroristischer Akte verurteilten Häftlinge der USA. Aber auch diverse Anführer nationaler Gangs, einige Mafiabosse, Mehrfachmörder und Anführer von Gruppierungen, die die Überlegenheit der Weißen propagieren, verbüßen hier lebenslange Haftstrafen. Den am schärfsten bewachten Häftlingen wird jeglicher Kontakt zu Mitmenschen - mit Ausnahme ihrer Aufseher – verwehrt. Sie befinden sich bis zu 23 Stunden am Tag in Einzelhaft, in einer 3,5 x 2 Meter großen, akustisch isolierten Zelle.

    Die Anwältin Colleen McGuire sagt in Prison Valley in ihrem Interview: Die sensorische Deprivation ist eine barbarische Praktik, die die US-Regierung von den amerikanischen Hochsicherheitsgefängnissen übernommen und auf Guantanamo übertragen hat.

    Im Jahre 2007 schrieb Amnesty International: Im ADX Florence, dem einzigen Supermax-Bundesgefängnis (Stufe 6) in den USA, hat die allgemeine Häftlingsbevölkerung auf jeder der drei Sicherheitsebenen die Möglichkeit, sich diversen Freizeitgruppen anzuschließen; die sich im Hochsicherheitsbereich des ADX Florence in Einzelhaft befindenden Häftlinge haben Anrecht auf Fernseh- und Radiounterhaltung und können in ihrer Zelle manuellen Tätigkeiten nachgehen – es sei denn, dies wird ihnen aus disziplinarischen Gründen verwehrt. (…) Die Fenster der Einzelhaftzellen des ADX Florence zeigen zum Hof, der der körperlichen Betätigung im Freien dient.
    Cruel and inhuman: Conditions of isolation for detainees at Guantánamo Bay [PDF]

    Um kritischen Stimmen Einhalt zu gebieten, lud die Washingtoner Haftanstaltsbehörde 2007 einige der einflussreichsten US-Medien zu einer streng geregelten Supermax-Tour ein: die Washington Post, die Los Angeles Times, CNN, Fox News, das CBS-Nachrichtenmagazin 60 Minutes und zwei Lokalzeitungen. Datum dieser Besichtigung: 11. September 2007 - auf den Tag sechs Jahre nach den Attentaten auf das World Trade Center, um die Bedeutung der Besichtigung und der Anstalt zu unterstreichen. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete ein ehemaliger Gefängnisaufseher die Gegend als die Hölle - nur in clean - eine Definition, die wir zu Beginn des Films aufgegriffen haben.
    CBS News

    Mehrere Gewerkschaften weisen ihrerseits auf den Mangel an Personal hin: Bei seiner Eröffnung beschäftigte das Supermax 372 Aufseher für 265 Häftlinge. 2001 waren es 331 Vollzugsbeamte für 386 Häftlinge. Im Jahre 2005 starben zwei Häftlinge innerhalb der Mauern des Gefängnisses.

    2009 fiel der Name Supermax wiederholt im Zusammenhang mit der Suche nach einer Haftanstalt für die Gefangenen des Guantanamo Camps, dessen Schließung vorgesehen war. Es sieht jedoch nicht so aus, als käme dieses Vorhaben, das vor Ort gewisse Bedenken hervorgerufen hatte, zur Durchführung.

    Dokumente und Links

    Zu den Supermax-Insassen gehören bzw. gehörten:

    • Theodore Kaczynski Theodore Kaczynski, alias der Unabomber, Wurde wegen Briefbombenanschlägen, bei denen drei Menschen ums Leben kamen, zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
      Foto © AFP
    • Zacarias Moussaoui Zacarias Moussaoui, Wurde 2006 wegen Mithilfe bei der Vorbereitung der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt.
      Foto © AFP
    • Timothy McVeigh Timothy McVeigh, Verübte 1995 einen Anschlag in Oklahoma City mittels eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens, bei dem 168 Menschen ums Leben kamen. Er wurde zum Tode verurteilt und am 11. Juni 2001 durch eine Giftspritze hingerichtet.
      Foto © SIPA
    • Richard Reid Richard Reid, alias der Schuhbomber, Wurde 2003 wegen eines auf dem American-Airlines-Flug 63 geplanten Anschlags, bei dem er versuchte, in seinen Schuhen versteckte Sprengsätze zu zünden, zu 120 Jahren Haft verurteilt.
      Foto © AFP
    • Terry Nichols Terry Nichols, Wurde wegen Mitbeteiligung am Anschlag in Oklahoma City vom 19. April 1995, der 168 Todesopfer forderte, verurteilt.
      Foto © AFP
     
    Gepostet von David Dufresne Prison Valley Team
    am 22/12/2009 (bearbeitet am 03/05/2010)
    Sollte etwas fehlerhaft oder unklar sein, kontaktieren Sie das Prison Valley-Team.
  2.  
     
    In einem Land indem die Todesstrafe zum Rechtssystem gehört sind solche Gefängnisse nur logisch. Jede Gesellschaft zieht sich seine "Monster" selber heran.
  3.  
     
    Ich frage mich ob es Alternativen gibt, Alternativen, die wir wählen können. Ich fände es wichtig für meine Generation herauszufinden, wie man solche Gefängnisstädte verhindern kann. Wir reden verächtlich von Amerika. Aber die Europäer sind gut im Adaptieren. Vielleicht sind wir nicht so leicht emotional zu ,,pushen" wie die Amerikaner, die nur eine gute Show oftmals brauchen, um mit ,,Ja" zu stimmen. Unsere Gefahr ist vermutlich eher das ,,kluge" Argument. ...
  4.  
     
    Solche Zustände sind hier in Deutschland z.Zt. undenkbar. Da steht das Grundgesetz davor. Solange wir in dieser Demokratie leben haben wir selber, dass heißt jeder von uns die Chance solche Zustände zu verhindern. Die einfachste Form ist das Recht der geheimen Wahlen. Ist zwar sehr theoretisch, aber solange wir eine Demokratie haben funtioniert das. Man kann die Verhältnisse in den USA mit denen in Deutschland schlecht vergleichen, aber der Fakt das in den USA im Durchschitt 10x soviele Gefangene auf die Bevölkerungszahl kommen spricht für sich. Die Quote beträgt in den USA ca. 0,7% und in D ca. 0.07%. In den USA kommen also auf 1.000 Einwohner / 7 Gefangene, in D auf 10.000 Einwohner / 7 Gefangene. Diese Zahlen
    sollten für sich sprechen. Ich kenne einige deutsche Gefängnisse, aber ein solcher Strafvollzug wie in den USA, ist durch die jetzige deutsche Gesetzgebung nicht möglich.
  5.  
     
    die sehn aba auch böse aus!
  6.  
     
    sensorische deprivation entspricht nicht unserer ethik, ist aber leider das einzig wirksame mittel um der beharrungstendenz eines kriminellen wesens zu entkommen ..
  7.  
     
    Was soll das heißen..."das einzig wirksame mittel um der beharrungstendenz eines kriminellen wesens zu entkommen"!?
  8.  
     
    übrigens schreibt der unabomber von dort aus fleißig weitere antizivilisatorische texte, wie jene, die ihn dorthin gebracht haben...
    eine geniale dokumentation diesbezüglich ist "Das Netz" von Lutz Dammbeck.
  9.  
     
    Nieder mit dem Aufzug!!!!!!!!!!!!!
  10.  
     
    Nicht Menschenwürdig, egal welche Tat
  11.  
     
    Sicherheitsarchitektur der Entmenschlichung.
  12.  
    • Sandirya
    • am 26/06/2010 (bearbeitet am 26/06/2010)
     
    Wagt der Mensch sich den Menschen zu richten, es wird niemals gutgehen.
    Diejenige die sich zum Richter aufschwingen sind die Mörder der sogenannten Justice.Mit Billigung des >Staates< Möder?auch dann bleibt es ein Tödungsdelikt und...Möder sind ! Mörder, gleich welcher Kategorie des >Wirkens<
    Als Atheistin weiss ich wovon ich schreibe.
  13.  
     
    Werte sind nicht durch Isolation, sondern in erster Linie durch Integration zu vermitteln.
    Das scheint nicht gewollt.
    Diesbezüglich brauchen wir nicht vor anderern Haustüren zu fegen.
    Auch in Deutschland gibt es kein ernsthaftes Interesse, ehemalige Inhaftierte in die Gesellschaft zu integrieren.
    Traurig aber wahr...
  14.  
     
    irgendwie nicht überraschend, das so etwas in Amerika existiert... würde mich interessieren, welche Länder noch über solche Gefängnisse verfügen!
  15.  
     
    ich frage mich auch was user "coldachron" mit seinem komischen Satz meint. und was bitte ist ein "kriminelles Wesen"? Wir sind und bleiben alle Menschen und niemand wird durch eine kriminelle Tat irgendwie zu einem anderen Wesen. Man muss aufpassen Häftlinge nicht zu "entmenschlichen", passiert, wie wir aus deutschem Sprachraum am Besten wissen, anscheinend viel zu schnell. Ganz allgemein meine ich stark, dass das Thema Gefängnis / strafvollzug nicht unabhängig mit allen anderen Aspekten der Gesellschaft (etwa soziales Netz, Bildungssystem) betrachtet werden kann wenn man Lösungen, Alternativen finden möchte bzw. um über ein Urteil zu werten. WAS für eine Verurteilung angemessen ist und welche nicht, das weiß ich im Moment auch nicht - ist sicher in jedem einzelnen Fall schwierig zu treffen. Wichitg wäre es aber wenn JEDER einzelne Fall 100%e Aufmerksamkeit bekommt (Im Gerichtsverfahren) damit falsche Verurteilungen (etwa jemand Unschuldigen einsperren) nicht regelmäßig passieren.
  16.  
     
    Es sitzen sicher einige unbelehrbare und gefährliche Menschen in diesen Gefängnissen. Aber auch sie müssen ihre Würde behalten. Das ist wichtig für die ganze Gesellschaft.
  17.  
     
    Die Würde des Menschen ist unantastbar heißt es so schön. Aber hat ein Mensch noch das Recht auf Würde wenn er anderen Menschen diese nimmt ?
    Meiner Meinung nach NEIN . Diese Subjekte gehören einfach hinter Gittern und lebenslänglich weggesperrt.
  18.  
     
    Amerika ist in seiner Grossartigkeit ganz schön böse...

1 bis 18 von 18

  1.  
 

Prison Valley-Foren, Forensoftware: Vanilla 1.1.10.
ContactsBlogAllgemeine NutzungsbedingungenDatenschutz