Territorial Prison. Cañon City, Colorado, USA. 2010.
Haftanstalt in Montmédy, Meuse, Frankreich. Oktober 2000.
Territorial Prison. Cañon City, Colorado, USA. 2010.
Haftanstalt in Montmédy, Meuse, Frankreich. Oktober 2000.
Territorial Prison. Cañon City, Colorado, USA. 2010.
Haftanstalt in Montmédy, Meuse, Frankreich. Oktober 2000.
Fremont Correctional Facility. Cañon City, Colorado, USA. 2010.
Fotos © Philippe Brault
Colorado Correctional Industries einen Umsatz von 16,5 Millionen Dollar verzeichnen können. In Frankreich haben die Häftlinge Arbeitsverträge, die kaum irgendeine Arbeitsplatzsicherheit bieten.Genauso wie es bei den im Prison Valley
-Film zu sehenden Häftlingen in Colorado der Fall ist, können auch den Häftlingen in Frankreich innerhalb des Gefängnisses, in dem sie untergebracht sind, Aufgaben in der Hausverwaltung zugewiesen werden. Sie können auch Privatunternehmen zugewiesen werden, die im Gefängnis angesiedelt sind. Die Bestimmungen des französischen Arbeitsrechts gelten dabei nicht. Es gibt weder Mindestlöhne noch Krankengeld, noch Schutz gegen ungerechtfertigte Kündigungen oder dergleichen. Lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften sind auch für die Haftanstalten bindend. Gonzague Rambaud und Nathalie Rohmer stellen in ihrem Buch Le travail en prison (Arbeit im Gefängnis) [Éditions Autrement, Januar 2010] folgende Fragen: Wo kann man Angestellten ganz legal einen Stundenlohn von 3 Euro zahlen? In Rumänien? In China? Wieso an Delokalisierung denken: Man braucht nur die Dienste von Gefängniswerkstätten in Anspruch zu nehmen, in denen Häftlinge für Zulieferer großer französischer Firmen arbeiten (L’Oréal, Bouygues, EADS, Yves Rocher, BIC usw.). (…) Schaut man sich die dort zu verrichtenden Tätigkeiten genauer an (Eintüten von Bonbons, Sortieren von Zwiebeln, Herstellung von Strohsitzen, Verpacken von Parfum, Näharbeiten usw.), kann man sich allerdings ernsthaft fragen, ob die Chancen für eine soziale Wiedereingliederung durch Gefängnisarbeit wirklich erhöht werden
. Die beiden Journalisten bringen auch folgenden, an lokale Unternehmen gerichteten Werbespot zu Tage, in dem die Vorteile einer Haftanstalt im Osten Frankreichs angepriesen werden: Arbeitskräfte, die nach Arbeitsleistung bezahlt werden, zwölf Monate im Jahr arbeiten und bei denen es keine Arbeitskonflikte gibt…
In Colorado wird die Häftlingsarbeit durch eine Einrichtung der öffentlichen Hand geregelt: die Colorado Correctional Industries
(CCI), eine 100%-ige Filiale der dortigen Strafvollzugsbehörde - ein mustergültiges Beispiel für Häftlingsarbeit.
Die CCI wurde 1977 aus zwei Gründen geschaffen: um Gewinne zu machen und vor allem, um die Betriebskosten des Strafvollzugs zu senken, insbesondere was die Posten Küche und Wäsche (Laken, Kleidung etc.) betrifft.
Die erste wirkliche Fabrik öffnete 1980 ihre Tore. Das Unternehmen Colorado Correctional Industries nutzte die Gelegenheit, um ihre eigene Marke auf den Markt zu bringen: die Juniper Valley Products
. Die Vertriebswege der CCI sind gesichert: Die Institutionen des Bundesstaates Colorado müssen ihre Einkäufe vorrangig bei ihr tätigen. Zu ihren Kunden gehören Behörden, Stadtverwaltungen, Verwaltungsbezirke und Vereine. Inzwischen hat die CCI auch zahlreiche Handelsabkommen mit dem privaten Sektor abgeschlossen.
Die Rationalisierung der Häftlingsarbeit geht in Colorado jedoch bereits auf eine lange Tradition zurück. Das erste Gefängnis in Cañon City betrieb bereits ab Juni 1874 eine Werkstatt, in der zunächst Schuhe, dann Kleidung und schließlich – wie in unserem Film Prison Valley zu sehen ist – Autonummernschilder hergestellt wurden. Erst 1990 erhielten die CCI-Fabriken die Zertifizierung, den Bestimmungen des Prison industries enhancement certification program
(Zertifizierungsprogramm für eine Verbesserung der gewerblichen Tätigkeiten des Strafvollzugs) gerecht zu werden, das 1979 vom Kongress erlassen wurde. Im Jahre 2001 gaben die CCI-Fabriken eine Broschüre heraus, in der ihre Aufgaben erläutert werden: Ausbildung, Überprüfung und Bewertung, mit dem Ziel, das Verhalten der Häftlinge zu verbessern
. Die Kernidee besteht darin, dass Insassen einen Beruf erlernen, den sie nach ihrer Entlassung ausüben können, und sich vor allem eine Arbeitsmoral mit Qualitätsdenken
zu eigen machen.
Die CCI-Fabriken beschäftigen heute in sechzehn, über ganz Colorado verstreuten Haftanstalten zwischen 1200 und 1500 Häftlinge (die Angaben variieren je nach Jahr und Quelle). Prozentual gesehen sind dies 10 bis 12% aller Häftlinge des Bundesstaats. 1990 belief sich der Umsatz der CCI auf 12 Millionen Dollar. Seitdem ist er rapide angestiegen. Zuletzt bekannter Umsatz: 39 Millionen Dollar im Jahre 2001. 2006 meldeten die CCI einen Nettogewinn von 16,5 Millionen Dollar. CCI-eigenen Angaben zufolge ergeben sich für den Steuerzahler in Colorado jährlich Einsparungen in Höhe von sechs Millionen Dollar
(an Betriebskosten) durch die Häftlingsarbeit.
Die CCI ist vor allem in folgenden Sparten tätig:
Manche von Häftlingen des Kreises Fremont abgerichtete Hunde werden … von der Polizei in New York zur Drogenfahndung eingesetzt. Die wilden Mustangs (Bestand: 2200 Tiere) werden per Helikopter in den Ebenen von Colorado, Arizona, New Mexico, Kalifornien oder Nevada eingefangen. Sie werden von Häftlingen zugeritten und dann zu 75% an der mexikanischen Grenze bei der berittenen US-Polizei eingesetzt.
Der Sitz der Colorado Correctional Industries befindet sich in Colorado Springs (Colorado). Der Showroom, in dem die neuesten Produkte aus den Gefängniswerkstätten ausgestellt werden, befindet sich in Denver.
Die Häftlinge, mit denen wir in der zum ältesten Gefängnis von Cañon City gehörenden Nummernschildfabrik ins Gespräch kamen, gaben an, im Monat 50 Dollar zu verdienen, mit Zuschlägen manchmal doppelt so viel. Im Kellergeschoss des Werks, das jährlich zwei Millionen Nummernschilder fabriziert, stellen körperlich oder geistig behinderte Häftlinge Autosteuerplaketten her bzw. stecken diese einzeln in Umschläge.
Die Fremont Correctional Facility am anderen Ende der Stadt ist nicht nur die insassenreichste Anstalt des Bundesstaates Colorado (1661 Häftlinge), sondern sie stellt auch die meisten Arbeitskräfte bereit: 507 Häftlinge arbeiten hier regelmäßig, insbesondere in der Schreinerei. Manche von ihnen kommen mit Zuschlägen auf monatlich bis zu 80 Dollar. Alle werden ausgebildet und arbeiten auf freiwilliger Basis. Am begehrtesten ist das Zureiten der Pferde, da man dabei an der freien Luft ist und diese Arbeit zu den am besten entlohnten gehört: 2 Dollar am Tag, und zwar in Teilzeit
. Momentan arbeiten 55 Häftlinge auf der im unteren Teil des East Cañon City-Komplexes gelegenen riesigen Ranch. Sie alle wurden wegen kleinerer Diebstähle oder kleinerer Drogenhandelsdelikte zu Haftstrafen zwischen 6 Monaten und 2 Jahren verurteilt. Ihr Ausbilder, ein Angestellter des Bureau of Land Management, sagte uns: Wir bringen den Häftlingen Geduld bei. Wir bringen ihnen einen Beruf bei. Wir bringen ihnen bei, was arbeiten ist. Wenn sie sich nicht anstrengen, fliegen sie raus. Genauso wie draußen. Wenn man das Pferd zu sehr am Zügel zieht, geht es mit einem durch. Es ist wie im richtigen Leben: Wenn du cool bleibst, läuft’s, ansonsten ... Das bringen ihnen die Pferde schnell bei.
Verschiedenen Berichten zufolge sind die Wartelisten für einen Arbeitsplatz bei den Colorado Correctional Industries lang, und beim geringsten Patzer, dem geringsten Regelverstoß fällt man ans Ende der Liste zurück.
We build opportunity— Colorado Correctional industries, 2002
A history of the Colorado DOCvon Terry Schwartz, Ph.D, Herausgeber: Juniper Valley Printing Services — Colorado Correctional industries, 2001
Lockdown America, Police and Prisons in the Age of Crisis— Verso Books, 1999
Statistiken zum Strafvollzug sowie Zahlenvergleiche zu USA/Frankreich/Europa finden sich im Prison Valley
-Film.
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Prison Valley-Foren, Forensoftware: Vanilla 1.1.10.
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